„Ich habe die Zeit genutzt“

Anouar Adam will wieder durchstarten
Artikel vom 4. Februar 2026
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Oldenburg/fs. Die Diagnose war niederschmetternd: Riss der Patellasehne. An den Beginn des angeblichen Wonnemonats Mai im vergangenen Jahr denkt Anouar Adam eher ungern zurück. Im Training hatte der Abwehrrecke des VfB Oldenburg sich verletzt. Ein Schock für den ehrgeizigen Fußballer, der bei den Blauen zum Stammpersonal zählte.
Heute, mehr als acht Monate später, steht der 26-Jährige endlich wieder auf dem Rasen. „Anou“ schallt es laut vernehmbar über den Platz, wenn Adam zum Kopfball hochsteigt, um eine Flanke abzuwehren. Auf den ersten Blick könnte der Eindruck entstehen, er sei nie weg gewesen. Doch der Eindruck trügt.
Mehr als acht Monate lang konnte der Modellathlet nicht das tun, was er nach eigener Aussage liebt, Fußball spielen. „Gerade am Anfang war es hart für mich. Ich hatte starke Schmerzen, dazu kam der große Frust, dass ich den Jungs in der schwierigen sportlichen Phase nicht helfen konnte“, blickt er zurück. Die damit einhergehende Eintrübung seiner sonst stets guten Laune war aber nicht von Dauer. „Ich habe mir von Anfang an vorgenommen, so schnell wie möglich zurückzukommen und mich von der Verletzung nicht runterziehen zu lassen“, erzählt Anou.
Mehr noch, er habe die lange Zwangspause genutzt, um zu reflektieren. „Die Verletzung hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wertvoll es ist, überhaupt Fußball spielen zu dürfen. In dieser Zeit habe ich gelernt, jede einzelne Minute bewusster zu genießen – auf und neben dem Platz“, sagt er. Fußball bedeute ihm alles, aber er habe auch verstanden, dass das Leben größer sei als dieser Sport. „Genau diese Perspektive gibt mir heute Ruhe und gleichzeitig neue Energie. Ich bin nach wie vor ehrgeizig und habe klare Ziele, aber ich gehe die Dinge bewusster an und versuche, auch mal den Kopf abzuschalten und einfach das zu tun, was ich liebe.“
Die Zwangsauszeit habe für ihn einen Lernprozess mit sich gebracht und auch eine Erkenntnis: „Mein Ehrgeiz ist unverändert groß, vielleicht sogar größer als zuvor. Gleichzeitig habe ich gelernt, besser auf mich zu hören und nicht immer nur im höchsten Gang zu fahren. Die Pause hat mir gezeigt, dass Entwicklung nicht immer laut sein muss. Manchmal entsteht sie in der Ruhe. Diese Balance aus Ambition und Gelassenheit nehme ich jetzt mit – mit dem festen Willen, wieder voll anzugreifen, aber mit mehr Dankbarkeit für jeden Schritt auf diesem Weg.“
Und doch wird im Gespräch deutlich, dass sich Anouar Adam in den vergangenen Monaten nicht nur mit seiner sportlichen Situation auseinandergesetzt hat. „In dieser Zeit habe ich auch meine Beziehung zu Gott intensiviert. Der Glaube hat mir Halt gegeben, besonders in Momenten, in denen es schwer war. Ich bin überzeugt davon, dass Gott einem keine Hürde gibt, die man nicht bewältigen kann. Dieser Gedanke hat mir Mut gemacht, Geduld geschenkt und mir Kraft gegeben, positiv zu bleiben. Ich habe die Zeit genutzt, um innerlich zu wachsen – und dafür bin ich heute sehr dankbar“, so Adam weiter.
Gerade zu Beginn seiner Verletzungsauszeit sei es überaus schmerzhaft gewesen, die Spiele seiner Mannschaft nur als Zuschauer verfolgen zu können. „Als Fußballer will man immer auf dem Platz stehen. Auf der anderen Seite bin ich unheimlich dankbar dafür, dass ich so einen großen Rückhalt erfahren habe. Der Kontakt zur Mannschaft war immer da, ich habe natürlich auch alle Spiele verfolgt, aber auch von den Fans gab es immer viel Aufmunterung für mich.“ Er habe gar nicht erwartet, wie viel Wertschätzung man ihm in Oldenburg entgegenbringe. „Umso schöner war das für mich und dafür bin ich sehr, sehr dankbar“, sagt Anouar Adam, der seinen Vertrag beim VfB auch deshalb „sehr gerne verlängert hat“.
Noch fehlen ein paar Prozent, achten die Trainer genau darauf, dass der 26-Jährige im Training nicht überzieht. Doch wer Anou im Mannschaftskreis und bei den Übungen erlebt, sieht sofort, dass hier einer gegen den Ball tritt, der kaum abwarten kann, dass die Pflichtspiele endlich wieder beginnen.
