Hansi fährt zum Bundesfinale

Tischtennisspieler des VfB im Interview

Artikel vom 23. Januar 2026

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    Oldenburg/fs. Hans-Malte Hanne (Foto) ist die sportliche Nummer eins in der Tischtennis-Abteilung des VfB Oldenburg. Im Trikot der Piranhas zeigt Hansi auch in dieser Saison aber nicht nur im Punktspieleinsatz seine Klasse, sondern ist auch auf Turnier-Ebene enorm erfolgreich. Mit Platz drei beim Landesfinale hat sich der Oldenburger für das Bundesfinale qualifiziert. Darüber und über seine Leidenschaft für den VfB, seine Hobbies und einiges mehr haben wir mit ihm gesprochen.

    Platz 3 ist ein toller Erfolg. Du bist enorm ehrgeizig, deshalb die Frage: Bist Du zufrieden? Überwiegt der Stolz oder wäre sogar noch mehr möglich gewesen?

    Vor dem Hintergrund, dass ich den Turniersieger des Landesfinales überraschenderweise relativ deutlich und als einziger Spieler besiegt habe und ich gegen den Zweitplatzierten denkbar knapp mit 9:11 im Entscheidungssatz verloren habe, wäre mit einem Sieg in diesem Match auch Gold oder Silber möglich gewesen. Allerdings habe ich gegen den Viertplatzierten verloren und manche Siege fielen in einem in der Spitze sehr ausgeglichenem Teilnehmendenfeld auch relativ knapp mit dem nötigen Quentchen Glück für mich aus, sodass ich mich letztendlich über Platz drei und die damit verbundene Qualifikation für das Bundesfinale nicht beschweren kann.

    Beschreibe uns doch mal kurz Deinen Weg in die Endrunde?

    Innerhalb der TTVN-Race-Turnierserie gibt es drei Gesamtwertungen: Die Punkterangliste, die Teilnahmenrangliste und die Erstteilnahmenrangliste. Zusätzlich qualifiziert sich die beste Spielerin der Teilnahmenrangliste für das niedersächsische Landesfinale, die nicht ohnehin schon über eine der drei Gesamtlisten qualifiziert ist.
    Bei der Punkterangliste werden komparabel wie zum Beispiel in der Formel 1 für einen 1. Platz 13 Punkte, für einen 2. Platz 10 Punkte usw. bei einem Raceturnier vergeben. Bei der Teilnahmenrangliste zählen die absoluten Turnierteilnahmen innerhalb eines Jahres und bei der Erstteilnahmenwertung gibt es für verschiedene Turnierorte Punkte für die Gesamtwertung (Groundhopperwertung). Ich habe mich im Jahr 2025 über die Erstteilnahmenwertung für das Landesfinale qualifiziert, weil ich für eine Qualifikation über die Punkte- oder die Teilnahmenrangliste noch wesentlich viel mehr Turniere hätte spielen müssen.

    Was macht, neben dem Sport, die Teilnahme an solchen Turnieren besonders?

    Bei einem Raceturnier spielst Du kompakt sechs Einzel in drei Stunden und die Turnierdauer ist zeitlich relativ genau planbar. Alle Teilnehmenden stehen ohne lange Wartepausen kontinuierlich am Tisch. Das macht die Turnierserie – neben dem tollen zwischenmenschlichen Umgang untereinander – so erfolgreich und beliebt. Ein Mannschaftskampf im Punktspielbetrieb (6er-Team) kann vergleichsweise schonmal vier bis fünf Stunden dauern und in dieser Zeit kommst Du maximal auf zwei und wenn es schlecht läuft, sogar nur auf ein Einzel.

    Warst Du überrascht über das sportliche Niveau der Spielerinnen und Spieler?

    Da sich alle Spieler*innen bei den Qualifikationsturnieren schon gegenseitig beschnuppert haben, gab es am Finaltag keine großartigen Überraschungen. Der/Die eine oder andere fährt natürlich die Wochen vor dem Finale die Trainingsintensität hoch, hat extra für das Finale ein paar Kilos purzeln lassen oder hat auf einmal anderes und/oder neuwertigeres Material auf dem Holz kleben (lacht).

    Geht es für Dich jetzt noch weiter, etwa auf Bundesebene?

    Ja, genau. Vom 30. Januar bis 2. Februar findet in Grenzau das Bundesfinale statt. Dort bin ich einer der fünf Spieler, die für das Team Niedersachsen (TTVN) an den Start gehen werden. Neben dem Finalturnier gegen die Spieler*innen der anderen Bundesländer gibt es an diesem Wochenende auch ein tolles Rahmenprogramm, mit dem Besuch des Bundesligaspiels zwischen TTC Zugbrücke Grenzau und dem SV Werder Bremen, Livemusik, Essen und Trinken, Bowling sowie jede Menge Sauna- und Wellnessbrimborium im Sporthotel Zugbrücke der Tischtennisschule in Grenzau. 

    Du hast jetzt zweimal nacheinander enorm viele (wieviele?) Races gespielt. Geht es in diesem Jahr so weiter oder trittst Du auch mal kürzer?

    Enorm viele ist natürlich Ansichtssache. Für die Qualifikation habe ich im Durchschnitt genau 3,5 Turniere pro Monat gespielt. Als ich noch aktiv Fußball gespielt habe und zusätzlich noch Trainer eines weiteren Teams war, hatte ich deutlich mehr sportliche Termine pro Monat. Zudem stellen die Race-Turniere für mich ein optimales Training unter Wettkampfbedingungen dar. Zum Leidwesen meiner Vereinskolleg*innen bin ich zur Hochkonjunkturturnierzeit dann eher weniger beim Training anzutreffen. Allerdings wird nach meinen persönlichen Erfahrungen beim Tischtennis insgesamt deutlich weniger trainiert im Vergleich zu meinen früheren ausgeübten Sportarten Fußball und Tennis.

    Noch etwas persönlicher: Wie bist Du zum Tischtennis und zum VfB gekommen?

    Beides sind sehr schöne und amüsante Geschichten. Als ich nach Oldenburg gezogen bin, habe ich ein Fußballspiel des VfB im Marschwegstadion besucht. Dort habe ich bei einem Bierchen den damaligen VfB-Fußballtrainer Juri kennengelernt. Zwei Tage später stand ich auf dem Fußballplatz in Dornstede beim Training. Juri spielt inzwischen übrigens auch begeistert Tischtennis. Gemeinsam haben wir im Doppel Silber bei den Tischtennisbezirksmeisterschaften 2024 gewonnen.

    Zum Tischtennis beim VfB bin ich über Umwege, als Trainer des VfB-Fußballfrauenteams, gekommen. Aufgrund der Witterungsbedingungen waren die Plätze für den Trainingsbetrieb gesperrt und ich schaute im Internet nach, in welcher Sparte beim VfB wir uns trotzdem etwas bewegen könnten. Also besuchten wir als komplettes Team das Tischtennistraining beim VfB. Wir haben dort ein Mixedturnier gespielt und hatten jede Menge Spaß bei der abteilungsübergreifenden Aktion. Der „Huntediver“, ein Mitspieler, welcher einige Zeit später auch sonntagsmorgens unangekündigt sturmklingelnd vor meiner Tür stand und mich auf Turniere schleppte, war an diesem Tag fasziniert davon, wie gut ich als ehemaliger Tennisspieler den Ball traf und überredete mich damaligen „Tischtennisdummy“ ein weiteres Mal zum Training zu kommen. Er wollte unbedingt, dass ich in den Punktspielbetrieb einsteige. Von da an habe ich voll für diesen Sport gebrannt und bin bis heute geblieben.

    Worin liegt für Dich der Reiz beim Tischtennis?

    Die Kombination aus schnellen Reflexen, taktischer Strategie sowie mentaler Stärke und die Tatsache, dass beim Tischtennis 60-Jährige selbst in höheren Ligen noch 20-Jährige besiegen können, was in vielen anderen Sportarten so nicht möglich ist.

    Mit Blick auf Deine TTR-Punkte könntest Du problemlos auch noch höher spielen. Du bist dem VfB aber treu geblieben. Warum spielst Du gerne für die Piranhas?

    Meinst Du die Frage ernst? Kennst Du einen besseren Verein in der Umgebung? Es gab speziell im letzten Sommer einige Angebote, aber davon konnte mich keines final überzeugen, zumal ich ja wie oben beschrieben, schon länger im Verein verwurzelt und Mitglied in drei verschiedenen Abteilungen des Vereins bin. Sollten jedoch die Forest Green Rovers, der FC St. Pauli oder einer meiner Ex-Vereine (SV Siegfried Braunschweig heute Olympia Braunschweig, WSV Wendschott, Amicale Sportive Laigneville, SVG Göttingen und Skizunft Göttingen) anfragen, müsste ich die Situation allerdings nochmal neu bewerten (lacht) Wobei einige der genannten Vereine derzeit glaube ich gar keine Tischtennisabteilung haben…

    Was macht Hans-Malte Hanne, wenn er nicht gerade Tischtennis spielt oder sich im TTVN engagiert? Bleibt da noch Zeit für andere Hobbies?

    Mein Bruder, der in Montréal lebt, hat mich mit dem Pickleballfieber infiziert und ich versuche derzeit so oft wie möglich auf dem Court zu stehen. Das Preisgeld für den 3. Platz beim Landesfinale habe ich übrigens auch in einen neuen Pickleballschläger investiert. Dies hat den Hintergrund, dass für mich nach wie vor der wichtigste sportliche Wettbewerb das weihnachtliche „Familienderby“ gegen meinen Bruder ist.

    Früher wurden diese „Bruderderbys“ in den Sommerferien auf dem Tennisplatz ausgetragen und die Anwohnenden haben schonmal die Polizei gerufen, wenn nachts um 3 Uhr beim Stand von 8:8 im 5. Satz auf der örtlichen Tennisportanlage noch das Flutlicht brannte. Heutzutage wird dieses „Brüderduell“ im Pickleball zu Weihnachten ausgetragen. Dieser Trendsport ist in Nordamerika etwas professioneller vorangeschritten als bei uns in Europa und mein Bruder trainiert dort neuerdings regelmäßig und nimmt seit diesem Jahr auch am Punktspielbetrieb teil.

    Letztes Weihnachten konnte ich mit insgesamt 7:5 Matches für mich noch knapp die Oberhand behalten, aber wenn er weiter so viel trainiert und ich mich nicht ranhalte, wird das nächstes Weihnachten bitter enden für mich. Der Rest der Familie war an Weihnachten übrigens etwas bedient, dass wir an den Feiertagen ca. 4 bis 5 Stunden pro Tag auf dem Court standen.

    Neben den Besuchen von Fußballspielen im Stadion und von Konzerten, zählt das Reisen – vorzugweise mit Rad und Bahn – zu meinen weiteren Hobbies. Darüber hinaus bin ich auch in einigen zivilgesellschaftlichen Organisationen engagiert und sehr gerne lege ich mir zum Ausgleich eine Platte aus meiner Vinylsammlung auf und lese dabei gesellschafts- und herrschaftskritische Literatur.